Biologie des Blutegels

Biologie des Blutegels

Der Blutegel, wie wir ihn in der Therapie verwenden «Hirudo medicinalis» genannt, gehört zur Klasse der Ringelwürmer und zur Unterklasse der Egel. Er lebt vorwiegend in stillen und langsam fliessenden Gewässern. Hier in der Schweiz wurde er etwa in Dorfbächen gesichtet, in Teichen oder auch in Quellfassungen von Trinkwasser.

Der Körper eines Blutegels besteht aus 34 Segmenten, welche nochmals unterteilt sind durch weitere Einschnürungen. Ein besonderes Merkmal ist der stark muskulöse und zylindrische Körper. Am vorderen Körperende ist ein saugnapfförmiger Mund, welcher aus drei Kiefern besteht. Pro Kiefer befinden sich jeweils 60 bis 80 Calcitzähnchen, die durch ihre Pyramidenform in der Lage sind, die Oberfläche der Hautschicht zu durchdringen. Zwischen den Zähnchen befindet sich jeweils eine Pore, die den Speichel vom Blutegel in die Wunde des Wirts inijziert. Dieses Sekret ist die Grundlage für die Heilwirkung der Blutegeltherapie.

Ebenfalls im vorderen Körperbereich sind fünf Augenpaare sowie die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane. Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus Hoden mit jeweils neun Säckchen und sind paarig angeordnet, aus einer Samenblase und aus einer Prostata mit Penis. Die weiblichen Geschlechtsorgane bestehen aus der Vagina sowie paarigen Ovarialschläuchen. Am Ende des Körpers ist ein Endsaugnapf. Der Endsaugnapf ist nicht wie beim Menschen oder anderen Säugetieren.

In modernen Zuchtfarmen werden die Blutegel in grossen Teichbecken, welche in treibhausartigen Gebäuden sind, gehalten und fortgepflanzt. Der Blutegel ist zwar ein Zwitter, dennoch findet die Paarung gegenseitig statt, wobei ein Egel als männlicher und einer als weiblicher Partner agiert. Mit ungefähr zwei bis vier Jahren sind die Blutegel geschlechtsreif. Pro Fortpflanzungssaison produziert ein Blutegel nach der Befruchtung mehrere Kokons, die aus einer schaumigen Eiweissmasse bestehen. In diese Kokons werden die befruchteten Eier (ca. 5 bis 30 Stück) verpackt und dann im feuchten Boden von Uferzonen abgelegt. Ungefähr dreissig Tage nach Ablegen des Kokons durchbrechen die Jungtiere dessen Schale. Blutegel vermehren sich hauptsächlich in den Sommermonaten. Bei kälteren Temperaturen kann die Schlupfzeit sogar bis zu einer vollständigen Überwinterung andauern.

Die Blutegeltherapie kann in verschiedene Stadien unterteilt werden. Bei jeder Behandlung finden die folgenden Schritte statt:

  1. Anbringen des Blutegels an seinen Wirt: der Blutegel wird an die gewünschte Stelle des zu behandelnden Menschen oder des zu behandelnden Tieres angebracht.
  2. Der Blutegel verletzt die Haut seines Wirtes durch Einsägen seiner Zähne auf den drei Kiefern und beisst sich an. Der Wirt verspürt nun ein leichtes bis mittelstarkes Brennen (vergleichbar mit einem Insektenstich oder einer Brennessel).
  3. Der «Spreading Effect» beginnt. Der Blutegel löst mit der ersten Abgabe von Speichelsekret das vom Kiefer umliegende Gewebe auf. Oftmals ist in dieser Zeit ein stärkeres Brennen beim Wirt spürbar.
  4. Der Blutegel beginnt mit dem Saugen. Nun beginnt die Blutverdünnung. Anfänglich ist der Saugakt noch nicht sichtbar, nach wenigen Minuten sieht man den Körper des Blutegels ein wenig pulsieren. Nun setzt auch die Entzündungshemmung ein.
  5. Das «freie Saugen» beginnt, der ganze Körper pulsiert nun.
  6. Der Blutegel ist satt und löst ihn ab, oder fällt ins «Suppenkoma» und kann gelöst werden. Die geschieht nach 30 bis 90 Minuten.

(Quelle: Hirudotherapie, Kähler & Westendorff, Belisana Verlag, Diss. Lemke Sarah, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, eigene Texte)

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